Blumenverkaufsverbot am Muttertag in Baden-Württemberg
Stuttgart - Nein, die Meldung ist kein Aprilscherz. Die Landesregierung von Günther Oettinger plant allen Ernstes eine Informationskampagne zum diesjährigen Muttertag. Mit Plakaten, Anzeigen und Rundfunkspots, ja sogar mit dem Einsatz von Ministern will sie die Bürger darüber aufklären, dass die ihre Blumen spätestens am Vortag des Muttertags erstehen sollten. Am eigentlichen Termin, der 2008 auf den Pfingstsonntag fällt, müssen die Läden nämlich zubleiben. So hat es der Landtag beschlossen, als er die Ladenöffnungszeiten unter der Woche freigab, aber den Schutz der kirchlichen Feiertage verschärfte. An die Kollision mit dem weltlichen Feiertag dachte dabei dummerweise niemand.
Warum einfach und billig, wenn es auch kompliziert und teuer geht? Nach dieser Devise scheint sich die Regierung bei der bizarren Aktion zu richten. Einfach wäre es gewesen, für den 11. Mai eine einmalige Ausnahme vom Verkaufsverbot zu ermöglichen. Andere Bundesländer mit dem gleichen Problem haben es so gelöst. Und die rechtlichen Wege dazu hatte die FDP der CDU schon früh gewiesen. Doch die Christdemokraten, allen voran Stefan Mappus und die Mehrheit der Landtagsfraktion, stellten sich stur. Sie reiten lieber Prinzipien, anstatt pragmatisch zu handeln – aus Angst vor dem Groll der Kirchen, die sich beim Disput um den Muttertag arg engherzig zeigten.

Den Zorn von Gärtnern und Blumenhändlern, die um ihren umsatzstärksten Tag bangen, fürchtet die CDU freilich auch. So entstand die Idee, sie mit der Werbekampagne zu besänftigen. Oettinger will es schließlich allen recht machen. Doch in diesem Fall geht das gründlich schief. Nicht einmal die Verbände, denen das Land mit mehreren Zehntausend Euro beispringt, sind mit dem „Trostpflaster“ zufrieden.
Veräppelt fühlen müssen sich die Bürger: Erst werden sie vom Staat bei den Einkaufszeiten gegängelt, dann in hilflosem Aktionismus belehrt – und die Belehrung dürfen sie über die Steuern auch noch selbst bezahlen. Und Baden-Württemberg droht wieder einmal bundesweit zum Gespött zu werden. Schon bisher bewegte sich das Gezerre um den Muttertag im Südwesten hart an der Grenze zur Lächerlichkeit. Nun ist sie vollends überschritten.
Es grinst der Bayer, lacht der Preusse. Baden-Württemberg kann alles, außer Hochdeutsch am Muttertag Blumen verkaufen.



